Plötzlich starker Haarausfall: telogenes Effluvium, Haarausfall im Herbst und wann du zum Arzt solltest

Aktualisiert am · Vom Siwon-Team · Lesezeit: 8 Min.

Kurz gesagt

50 bis 100 Haare am Tag zu verlieren, ist normal. Wenn plötzlich deutlich mehr ausfallen, gleichmäßig verteilt und ohne kahle Stellen, steckt meistens ein telogenes Effluvium dahinter: vorübergehender Haarausfall, der 2 bis 3 Monate nach einem Auslöser auftritt (starker Stress, Fieber, radikale Diät, Operation, Eisen- oder Vitamin-D-Mangel, Jahreszeitenwechsel) und sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten von selbst legt, sobald der Auslöser weg ist. Im Herbst gibt es zusätzlich einen saisonalen Haarausfall, der fast alle betrifft: Das sind die Haare, die der Sommer in der Ruhephase gehalten hat und die jetzt auf einen Schlag ausfallen. Das ist keine androgenetische Alopezie, und davon wirst du nicht kahl. Hält es länger als 6 Monate an, entstehen kahle Stellen oder kommen andere Symptome dazu: ab zum Hautarzt und Blut abnehmen lassen.

Dusche. Du fährst dir durch die Haare, und sie bleiben an der Hand hängen. Viele. Oder du schaust morgens in den Abfluss vom Waschbecken, und da liegt ein Teppich. Auf dem Kopfkissen liegt der nächste. Du schaust dir dein Profilfoto von vor einem Jahr an und weißt nicht mehr, ob es am Licht liegt oder ob du gerade kahl wirst.

Durchatmen. Erstens: fast sicher nicht. Zweitens: Es ist September, und was dir gerade passiert, passiert gerade halb Deutschland. Wir erklären dir, was ein telogenes Effluvium ist, warum der Herbst die Hochsaison für Haarausfall ist, wie lange das dauert, wie du erkennst, ob es das ist oder die Glatze deines Vaters, und was du in der Zwischenzeit tun kannst, damit es nicht schlimmer wird.

Wo fällt es dir auf?

Piktogramm einer Dusche mit ausgefallenen Haaren

Unter der Dusche

Einmal durchfahren, und sie kommen büschelweise.

Piktogramm eines Kopfkissens mit Haaren

Auf dem Kissen

Du stehst auf, deine Haare bleiben liegen.

Piktogramm eines Waschbeckens mit Haaren

Im Waschbecken

Der Abfluss sieht aus wie ein Teppich.

Piktogramm von Kleidung mit Haaren

Auf der Kleidung

Der dunkle Hoodie verrät dich.

Wie viele Haare am Tag zu verlieren, ist normal?

Du hast zwischen 100.000 und 150.000 Haare auf dem Kopf, und jedes macht sein eigenes Ding. Zwischen 50 und 100 am Tag zu verlieren, ist normal: Das sind die, die ihren Zyklus beendet haben und Platz für ein neues Haar machen. Am meisten merkst du es an Tagen, an denen du die Haare wäschst (weil sich alle auf einmal lösen), und wenn deine Haare lang oder dunkel sind, weil man sie dann besser sieht. Ein Typ mit kurzen, blonden Haaren verliert genauso viele und merkt es nicht mal.

Das Problem ist nicht, dass du Haare verlierst. Sondern dass du mehr verlierst, als nachwachsen.

Der Haarzyklus in 30 Sekunden

  1. Anagenphase, die Wachstumsphase. Sie dauert 2 bis 6 Jahre. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich hier 85–90 % deiner Haare.
  2. Katagenphase, die Übergangsphase. Zwei bis drei Wochen. Der Follikel fährt herunter.
  3. Telogenphase, die Ruhephase. Etwa 3 Monate. Das Haar wächst nicht mehr, bleibt aber noch stecken, bis das nächste es hinausschiebt. Das sind 10–15 % deines Kopfes.

Merk dir das: Telogen = Ruhe, und die dauert 3 Monate. Das ist der Schlüssel zu allem, was jetzt kommt.

Was ist ein telogenes Effluvium?

Ein telogenes Effluvium entsteht, wenn deutlich mehr Haare als sonst gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Weil diese Phase etwa 3 Monate dauert, siehst du den Haarausfall nicht, wenn der Auslöser passiert, sondern drei Monate später: dann, wenn all die Haare, die gleichzeitig abgeschaltet haben, sich lösen… gleichzeitig.

Genau deshalb ist der Zusammenhang so schwer zu erkennen. Dir fallen im Oktober die Haare aus, und du denkst nicht an die heftige Grippe im Juli, die Trennung im Juni oder die Diät im Mai für die Sommerfigur, mit der du 8 Kilo verloren hast. Der Auslöser liegt immer ein paar Monate zurück.

So erkennst du es

  • Haarausfall gleichmäßig über den ganzen Kopf, nicht an den Geheimratsecken oder der Tonsur.
  • Viele Haare mit einem weißen Knötchen an der Wurzel: Das ist die telogene Haarwurzel, und das ist normal.
  • Keine deutlich kahlen Stellen.
  • Ziemlich plötzlicher Beginn.

Wenn du dir durch die trockenen Haare fährst und jedes Mal 3 oder 4 hängen bleiben, passt das zu einem Effluvium.

Warum fallen mir die Haare aus? Die häufigsten Auslöser

Überleg, was vor 2 oder 3 Monaten bei dir los war. Fast immer steht es in dieser Liste:

Auslöser Was passiert Bis es sich legt
Starker oder anhaltender Stress Trennung, Kündigung, Staatsexamen, Umzug, ein Todesfall. Das Cortisol schiebt Follikel in die Ruhephase. Sobald der Stress nachlässt, 3–6 Monate.
Hohes Fieber oder Infektion Eine heftige Grippe, COVID, alles mit 39 °C. Einer der typischsten Auslöser. 3–6 Monate; die Haare erholen sich fast immer vollständig.
Radikale Diät oder schneller Gewichtsverlust Unter 1.200 kcal, kaum Eiweiß, langes Fasten. Die Haare sind das Erste, was der Körper nicht mehr versorgt. Wenn du wieder vernünftig isst, 3–6 Monate.
Operation oder Narkose Der Körper konzentriert sich aufs Heilen; die Haare müssen warten. 3–6 Monate.
Eisen-, Vitamin-D- oder Zinkmangel Häufig bei strengen Vegetariern, Ausdauersportlern und Leuten, die sich schlecht ernähren. Zeigt sich im Blutbild (Ferritin, 25-OH-Vitamin D). Sobald der Mangel ausgeglichen ist, 3–6 Monate.
Schilddrüse Unter- und Überfunktion führen zu diffusem Haarausfall. Bluttest (TSH). Mit Behandlung.
Medikamente Orale Retinoide (Isotretinoin), Betablocker, Blutverdünner, manche Antidepressiva. Sprich mit dem, der sie dir verschrieben hat; setz sie nicht auf eigene Faust ab.
Jahreszeitenwechsel Der saisonale Haarausfall im Herbst. Hat einen eigenen Abschnitt. Ein paar Wochen.
Illustration eines Waschbeckens mit ausgefallenen Haaren und Herbstblättern

Warum im Herbst mehr Haare ausfallen

Das ist kein Friseurmärchen. Eine Schweizer Studie, die 823 Frauen über 6 Jahre ausgewertet hat, und eine französische, die eine Gruppe von Männern zwischen 8 und 14 Jahren begleitet hat, kommen zum selben Ergebnis: Der Anteil der Haare in der Ruhephase (Telogen) ist im Sommer am höchsten, zwischen Ende Sommer und Herbstanfang. Und weil die Ruhephase ein paar Monate dauert, kommt der Haarausfall im September, Oktober und November. Die gängigste Erklärung ist evolutionär: Im Sommer hält der Körper mehr Haare in der Ruhephase (als Sonnenschutz, so die Theorie), und im Herbst lässt er sie los. Wir sind Säugetiere. Wir haaren.

Dazu kommt, was du deinen Haaren zwischen Juni und August angetan hast: Sonne, Chlor, Salzwasser, mehr Feierabendbier und weniger Gemüse, schlechter Schlaf. Der Herbst ist nicht die Ursache: Er ist die Rechnung.

  • Wann es losgeht: zwischen Ende August und September.
  • Wie lange es dauert: ein paar Wochen. Bis November oder Dezember sollte sich alles normalisiert haben.
  • Wie stark es ist: auf dem Höhepunkt mehr Haarausfall als sonst, immer gleichmäßig verteilt.
  • Was zurückkommt: alles. Saisonaler Haarausfall zerstört keine Follikel.

Und ja, das betrifft auch Frauen und auch die mit der Werbemähne. Es ist der einzige demokratische Haarausfall.

Effluvium oder androgenetische Alopezie? So erkennst du den Unterschied

Das ist die Frage, die dich wirklich hierhergebracht hat. Die kurze Antwort: wo die Haare ausfallen und wie es sich entwickelt.

Telogenes Effluvium Androgenetische Alopezie
Wo Über den ganzen Kopf, diffus Geheimratsecken, Tonsur, vorderer Haaransatz
Wie es beginnt Plötzlich, viel, innerhalb weniger Wochen Langsam, über Jahre, ohne auffälligen Haarausfall
Die ausfallenden Haare Kräftig, normal, mit weißer Wurzel Immer dünner und kürzer (miniaturisiert)
Kahle Stellen Nein Ja, zunehmend
Verlauf Legt sich nach 3–6 Monaten Schreitet ohne Behandlung fort
Vererbung Spielt keine Rolle Spielt eine Rolle, und nicht nur die vom Opa mütterlicherseits
Behandlung Auslöser beseitigen; der Rest ist Pflege Minoxidil, Finasterid und ergänzend Haarkosmetik

Ein wichtiger Punkt: Beides kann gleichzeitig auftreten. Ein Effluvium bei jemandem mit beginnender androgenetischer Alopezie macht sichtbar, was schon da war, und nach dem Effluvium bleibt die Dichte geringer als vorher. Wenn es in deiner Familie Haarausfall gibt und du gerade ein Effluvium hast, ist das ein guter Zeitpunkt, deine Haare ernsthaft zu pflegen, statt abzuwarten.

Ratgeber Wenn es bei dir Alopezie istUrsachen, Behandlungen und die komplette Haarroutine für Männer.

Was du bei starkem Haarausfall tun kannst (und was nicht)

Ein Effluvium geht vorbei, wenn du die Ursache beseitigst und abwartest. Aber während du wartest, gibt es Dinge, die helfen, und Dinge, die es schlimmer machen.

  1. Finde den Auslöser. Den von vor 2–3 Monaten. Wenn es Stress, Diät oder Schlaf ist, musst du da ansetzen; deine Haare schicken dir nur die Warnung.
  2. Erklär deinen Haaren nicht den Krieg. Seltener waschen verringert den Haarausfall nicht (die Haare in der Telogenphase fallen sowieso aus, nur gesammelt). Mit einem aggressiven Shampoo zu waschen, belastet dagegen die Kopfhaut. Wasch sie täglich, wenn du es brauchst, mit etwas Mildem.
  3. Hör auf zu zählen. Im Ernst. Haare in der Dusche zu zählen, ist der schnellste Weg, aus einem Effluvium ein Angstproblem zu machen, und Angst ist selbst ein Auslöser. Ein Teufelskreis der übelsten Sorte.
  4. Iss. Genug Eiweiß, Eisen, Zink und Vitamin D. Wenn du eine radikale Diät gemacht hast, ist jetzt der Moment, damit aufzuhören. Wenn du einen Mangel vermutest: erst Bluttest, dann Nahrungsergänzung.
  5. Gib deiner Kopfhaut einen Impuls. Nicht um das Effluvium zu „stoppen“ (das lässt sich nicht stoppen, das geht vorbei), sondern damit die Erholungsphase besser läuft: Durchblutung, aktive Follikel, eine saubere Kopfhaut ohne Entzündung.

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Keins von beiden „heilt“ ein Effluvium, denn ein Effluvium lässt sich nicht mit Kosmetik behandeln. Sie sorgen dafür, dass der Boden stimmt, wenn die neuen Haare wieder nachkommen.

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Zum Thema Nahrungsergänzung: Wenn der Auslöser eine Diät war oder du einen Mangel an Zink, Biotin oder Vitamin D vermutest, kann ein Nahrungsergänzungsmittel wie Growzilla, das Biotin, Zink und Vitamin D3 enthält, dir helfen, diese Nährstoffe abzudecken (Biotin und Zink tragen zur Erhaltung normaler Haare bei). Aber zuerst der Bluttest. Ein Präparat für einen Mangel, den du nicht hast, ist Geld, das mit den Haaren im Abfluss landet.

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Wann du zum Hautarzt solltest

  • Wenn der Haarausfall länger als 6 Monate anhält (chronisches telogenes Effluvium).
  • Wenn es kahle Stellen oder deutlich lichte Bereiche gibt, vor allem runde (das kann kreisrunder Haarausfall sein, und der ist etwas ganz anderes).
  • Wenn du außerdem extreme Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen oder sehr trockene Haut hast: Das kann an der Schilddrüse oder an einem deutlichen Mangel liegen.
  • Wenn es juckt, brennt, verkrustet oder stark schuppt: Dann liegt das Problem vielleicht an der Kopfhaut, nicht am Haar.
  • Wenn es in deiner Familie klar androgenetischen Haarausfall gibt und du wissen willst, wo du stehst, bevor du dich für eine Behandlung entscheidest.

Wegen Haarausfall zum Hautarzt zu gehen, ist nicht wehleidig. Es ist der Unterschied zwischen einem Problem, das in 3 Monaten erledigt ist, und einem Jahr Grübeln.

Häufige Fragen zu plötzlichem Haarausfall

Wie lange dauert ein telogenes Effluvium?

3 bis 6 Monate ab Beginn des Haarausfalls, vorausgesetzt, der Auslöser ist weg. Der saisonale Haarausfall im Herbst dauert ein paar Wochen. Hält es länger als 6 Monate an, gilt es als chronisch und sollte abgeklärt werden.

Wachsen die Haare nach einem Effluvium wieder nach?

Ja. Ein Effluvium schädigt den Follikel nicht, es zieht den Haarausfall nur vor. Die neuen Haare sieht man erst nach einer Weile, weil sie ungefähr einen Zentimeter pro Monat wachsen. Die Dichte kommt deshalb in den folgenden Monaten nach und nach zurück.

Warum fallen im Herbst mehr Haare aus?

Weil im Sommer ein größerer Anteil der Haare in die Ruhephase wechselt und sich im Herbst löst. Dieser saisonale Haarausfall wurde in mehrjährigen Beobachtungsstudien bei Männern und Frauen festgestellt. Er dauert ein paar Wochen, und die Haare kommen zurück.

Ist es normal, dass mir die Haare büschelweise ausfallen?

Das ist typisch für ein telogenes Effluvium, vor allem beim Waschen oder Kämmen. Nicht normal ist, wenn es länger als 6 Monate dauert, kahle Stellen entstehen oder andere Symptome dazukommen.

Kann Stress Haarausfall verursachen?

Ja, starker oder anhaltender Stress ist einer der häufigsten Auslöser für ein telogenes Effluvium. Der Haarausfall zeigt sich 2–3 Monate nach dem Stresshöhepunkt, deshalb ist der Zusammenhang so schwer zu erkennen.

Hilft es, die Haare seltener zu waschen?

Nein. Die Haare in der Ruhephase fallen sowieso aus; wenn du sie nicht wäschst, siehst du sie nur alle auf einmal, sobald du es doch tust. Wasch sie, wenn du es brauchst, mit einem milden Shampoo.

Hilft Minoxidil bei einem telogenen Effluvium?

Dafür ist es nicht vorgesehen. Ein Effluvium legt sich von selbst, wenn die Ursache beseitigt ist. Minoxidil ist für androgenetische Alopezie gedacht. Wenn du beides hast, lass es von einem Hautarzt beurteilen.

Welche Blutwerte sollte man bei Haarausfall bestimmen lassen?

Üblich sind: Blutbild, Ferritin, Vitamin D (25-OH), Zink und TSH. Dein Hausarzt kann das veranlassen; damit lassen sich Nährstoffmängel und Schilddrüsenprobleme ausschließen, die häufigsten Auslöser, die man nicht mit bloßem Auge sieht.

Quellen und Studien

Der Herbst geht vorbei

Die meisten Effluvien gehen vorbei. Was nicht von allein vorbeigeht, ist die Gewohnheit, die Kopfhaut schlecht zu behandeln. Wenn du diesen Monat nur eine Sache änderst, dann dein Shampoo.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt nicht die Beurteilung durch medizinisches Fachpersonal. Hairicane und Follicool sind kosmetische Mittel, keine Arzneimittel, und können keine Krankheiten verhindern oder behandeln. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung. Wenn der Haarausfall länger als 6 Monate anhält, stellenweise auftritt oder von anderen Symptomen begleitet wird, wende dich an einen Hautarzt.

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